Kolping-Theater 2019

Aus dem Donaukurier vom 20.03.2019

Dietfurt (pmd) "Kolping - das starke Band des Herzens" heißt das jüngste Stück des Dietfurter Kolping-Theaters, das jetzt seine Premiere feierte. Es stammt von Maria Hauk-Rakos und wurde von den Zuschauern der Uraufführung als literarische Meisterleistung bejubelt. Spannend und gut durchdacht setzte Hauk-Rakos viele wichtige Stationen aus dem Leben von Adolph Kolping um. Dabei schafften die Theaterspielerinnen und Spieler es, immer wieder in Rückblicken verschiedenste Geschehnisse aus dem Leben des Seligen zu beleuchten. Gespielt wurde nicht nur auf der Haupt-, sondern auch auf zwei Nebenbühnen. Auf der rechten Nebenbühne spielten Szenen aus der Elberfelder Kaplanszeit. Auf der hinteren Bühne war eine Szene aus seiner Studentenzeit in München zu sehen. Die Bühnen wurden mit alten Möbeln und Utensilien bestückt, die es leicht machten, sich in die Zeit zurückzuversetzen.

Den Schauspielern gelang es somit perfekt, die Zuschauer mit auf eine kurzweilige Zeitreise in das 19. Jahrhundert zu nehmen. Nicht nur Erwachsene standen auf der Bühne, sondern auch drei Kinder. Phillip Flierl stellte den Adolph Kolping als Kind dar, Fiona Böhm dessen Schwester Anna Katharina und Lukas Neger schlüpfte in die Rolle von Bruder Wilhelm. Souverän standen die Nachwuchsschauspieler auf der Bühne und setzten das Einstudierte bravourös um. 

Kolping wurde am 8. Dezember 1813 geboren und starb am 4. Dezember 1865 mit nicht ganz 52 Jahren. Zeit seines Lebens plagten ihn Asthma und Bluthusten. Er war anfällig für Krankheiten und oft schwach. Deshalb tritt in diesem Stück immer wieder der Arzt Dr. Behrens in Erscheinung. Er wird von Michael Rakos gekonnt und lebensecht in seiner rheinischen Mundart verkörpert.

Behrens führt auch als Bindeglied durch die einzelnen Szenen des Stückes und gibt Erklärungen zum besseren Verständnis. Die Übergänge der einzelnen Szenen sind fließend und gut verständlich. Die vielen Kinder in der Nachmittagsvorführung konnten dem Stück ebenso gut folgen, wie alle anderen Besucher. Im nahezu voll besetzten Pfarrheim waren nicht nur Bewohner des Caritas-Altenheimes von Dietfurt und ortsansässige Erwachsene und Kinder, es kamen auch Gäste von weither. Die Kolpingfamilie mit der längsten Anreise kam aus Weiden. Über das große Interesse freute sich die Theatergruppe sehr. 
Hauk-Rakos hat das Stück anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Dietfurter Kolpingfamilie geschrieben. Sie wies darauf hin, dass das Stück auf Originalzitaten aus der Autobiografie basiert, auf dem Briefwechsel und weiteren Schriften des Publizisten Kolpings. Nahezu alle Figuren im Stück haben tatsächlich gelebt und sind mit Kolping in der in den entsprechenden Szenen je beschriebenen Weise verbunden gewesen. 

"Bet und arbeit, ruft die Welt. Bete kurz, denn Zeit ist Geld. An die Türe pocht die Not. Bete kurz, denn Zeit ist Brot." Das Lied Peter Herweghs drückt aus, wie es damals zuging in Deutschland. Das Volk war um das Jahr 1800 sowohl politisch als auch gesellschaftlich zerrissen. Viele Familienväter, die einem ehrbaren Handwerk nachgingen, konnten die Familie nicht mehr ernähren, da die Industrialisierung ihren Arbeitsplatz unnötig machte. Sie konnten nicht für das tägliche Brot sorgen, geschweige denn sich um Gesellen kümmern. Wurde jemand krank, fehlte es am Geld, um einen Arzt zu kontaktieren. Die Not war für die Zuschauer auf der Bühne nachzuspüren.

Hinein in diese Situation tritt in Elberfeld in der Pfarrei St. Laurentius im Frühherbst des Jahres 1845 der junge Adolph Kolping, in rheinischer Mundart liebevoll von seiner Schwester "Dölfes" genannt, seine erste Stelle als Geistlicher an. Kaplan Kolping überlegt, wie er der Not entgegenwirken könnte. Seine Elberfelder Zeit wird zur Initialzündung für die Gründung des Gesellenvereins, den heutigen Kolpingfamilien.
Im Stück wurde klar: Kolping selbst hatte im Verlauf seines Lebens nie den Faden zu vertrauten Freunden und zu seiner Familie abreißen lassen. So verbindet auch heute noch ein starkes Band die Kolpingfamilie hier und in aller Welt miteinander. Im Schlusslied der Theatergruppe kam dies klar zum Ausdruck. 

Am Ende waren sich alle einig, dass Maria Hauk-Rakos zusammen mit Charlotte Meier-Röll, die Regie führte und selbst auf der Bühne stand, mit der Theatergruppe etwas Großartiges geschaffen hat. Der lange anhaltende Applaus sprach für sich.

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Wer sich da Stück selbst ansehen möchte, kann das bei den nächsten 4 Aufführungen tun:

  • Samstag, 23. März | 19:00 Uhr
  • Sonntag, 24. März | 19:00 Uhr
  • Samstag, 30. März | 19:00 Uhr
  • Sonntag, 31. März | 19:00 Uhr

Karten gibt es an der Abendkasse, Vorverkauf bei Charlotte Meier-Röll (Tel. 08464 / 8473); Eintritt: 7,00 €.

Bei unseren Theateraufführungen wird immer mit kulinarischen Spezialitäten bestens für das leibliche Wohl gesorgt.