Aus dem Donaukurier vom 09.02.2026
Volles Haus bei der WählBar von Kolping Dietfurt. Mehrere hundert interessierte Dietfurter waren am Sonntagvormittag in die Sieben-Täler-Halle gekommen, um sich zwischen Sportlerball Töging und den Auftritten der Moritatensänger am Nachmittag anzuhören, was die drei Bürgermeisterkandidaten zu sagen hatten. So groß war das Interesse, dass noch Sitzgelegenheiten und Tische herbeigeschafft werden mussten.
Auch die CSU-Landratskandidatin Katharina Ziegler hatte einen Abstecher nach Dietfurt gemacht, musste aber schon vor Beginn der Veranstaltung zum nächsten Termin.
Die Podiumsdiskussion moderierte Thomas Andonie, ehemaliger Landesleiter der Kolpingjugend, ehemaliger BDKJ-Bundesvorsitzender und Träger des Bundesverdienstordens. Andonie, dessen Frau aus Dietfurt stammt, hatte bereits vergangenes Jahr die WählBar zur Bundestagswahl moderiert.
Mehr als 60 Fragen seien im Vorfeld eingegangen, informierte Andonie. Zunächst erhielten die Kandidaten Bernd Mayr (FW), Konrad Leidl (CSU) und Karlheinz Egert (Grüne) das Wort, um sich kurz vorzustellen. Die Redezeit betrug jeweils drei Minuten, die Reihenfolge der Antworten wechselte durch. Währenddessen huschte das fleißige Team von Kolping durch die Tischreihen, um die vielen Menschen in der Halle mit heißen und kalten Getränken, Weißwürsten, Wienern und frischen Brezen zu versorgen.
Wer in den vergangenen Wochen eine der zahlreichen Wahlveranstaltungen besucht hat – Freie Wähler und Christsoziale sind seit Wochen an fast jedem Abend unterwegs –, dem kam sicher etliches bekannt vor. Lediglich die Grünen warten mit ihren Wahlveranstaltungen, bis der Fasching vorbei ist.
Der Grünen-Kandidat war es dann auch, der als erster das Wort erhielt. Egert wies darauf hin, dass die Bevölkerungszahlen rückläufig seien und die Menschen immer älter würden. Für Dietfurt vermisste er eine Tagespflege. Statt immer neue Baugebiete auszuweisen, sollte man Familien lieber einen Anreiz bieten, von den Älteren ältere Häuser zu erwerben, um sie umzubauen und zu modernisieren.
Mayr, derzeit amtierender Bürgermeister, informierte, dass man in Sachen Tagespflege und Betreutes Wohnen längst aktiv geworden und zusammen mit der Caritas am Planen sei.
Nicht alle Fragen galten hinlänglich bekannten Themen. So wurde zum Beispiel gefragt, wie sich der Chinesenfasching verändern könnte, sollten sich die internationalen Beziehungen zum Reich der Mitte weiter verschlechtern. Bernd Mayr sah keine Veranlassung, am Chinesenfasching nach dem aktuellen Konzept etwas zu verändern. „Wer miteinander redet, der schießt nicht aufeinander“, so Mayr. Die Freundschaft mit Nanjing sei eine „kleine Brücke“ der Völkerverständigung, aus der eine „große Brücke“ werden könnte. Da sah auch Leidl nicht viel anders. Sollte sich der genannte Fall ergeben, dann werde sich der Stadtrat damit befassen müssen. Egert sah in der Verbindung nach China „einen der letzten Leuchttürme“. Der Chinesenfasching diene der Völkerverständigung. Gleichzeitig konnte sich Egert vorstellen „mehr Highlights“ zu schaffen, beispielsweise mit einem „China-Viertel“, das auch außerhalb des Faschings Touristen anlocken könnte.
Auch zum Wirtschaftsstandort Dietfurt hatten sich die drei Kandidaten ihre Gedanken gemacht. Konrad Leidl wies darauf hin, wie wichtig Arbeitsplätze vor Ort seien. „Wir brauchen neue Gewerbegebiete in Dietfurt und den Ortsteilen“, so Leidl. Deren Ausweisung werde er zur Chefsache machen. Außerdem schlug der Kandidat von CSU und CWU einen Unternehmerstammtisch vor und Gespräche mit Grundstücksbesitzern „auf Augenhöhe und mit Respekt“. Mayr wies darauf hin, dass die Gewerbesteuer dank „vieler guter mittelständischer Betriebe“ wieder das Niveau wie vor Corona erreicht habe. Der Gigabitausbau sei nun auch in den Ortsteilen in trockenen Tüchern, der Förderbescheid über 90 Prozent sei da. Drei neue Baugebiete seien in den vergangenen Jahren entstanden, drei weitere könnten jederzeit in Angriff genommen werden, aber nur „bei Bedarf“. Zur Hanwha würden aktuell Gespräche mit einer Firma aus der Gegend laufen, dann wäre auch dieser Leerstand beseitigt. Die Ausweisung eines kleinen Gewerbegebiets zwischen Arnsdorf und Zell sei an der fehlenden Ortsanbindung gescheitert, was im benachbarten Paulushofen zum Beispiel kein Problem gewesen sei.
Zur Jugend- und Familienarbeit sagte der Grünen-Politiker, dass die Jugend „Lebensplanken“ brauche und ein offenes Ohr. Er sei gegen Jugendtreffs, da die Vereine vorbildliche Arbeit leisten. Gegenüber den „Zugezogenen“ sah er eine „Holschuld“ bei der Kommune. „Wir müssen das Integrationsbudget erhöhen“, so Egert weiter, um Familien die Inklusion zu erleichtern. Das Erlernen der deutschen Sprache sei natürlich unabdingbar.
Auch Bernd Mayr sah die Jugendarbeit bei den Vereinen gut aufgehoben. Für die junge Generation sei ein Dirtpark am Entstehen mit Leader-Mitteln. Leidl konnte sich die Einstellung eines interkommunalen Jugendpflegers vorstellen und die Wiedereinführung des Jugendparlaments, das vor zwölf Jahren die SPD-Bürgermeisterin Carolin Braun angestoßen hatte.
Zum Thema Energieversorgung wies Bernd Mayr darauf hin, dass die Stadt bereits heute schon 65 bis 70 Prozent des benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien gewinne. Nach der Ausweisung der drei Windvorranggebiete und mehrerer Solarparks seien Großspeicher wichtig und in nächster Zeit geplant. Die Schaffung eines Fernwärmenetzes sei auf den Weg gebracht worden. Laut Egert braucht es hier kreative Ansätze. Er erinnerte an eine Energie- und Potenzialstudie für die Kläranlage Haßfurt, die seine Frau, die Stadträtin Angeliki Gleixner, in den Stadtrat gebracht habe, der Antrag sei aber abgelehnt worden.
Konrad Leidl erinnerte an die Vorreiterrolle von Dietfurt, wo unter dem CSU-Bürgermeister Franz Stephan schon 2002 die Schule eine Hackschnitzelheizung bekommen habe. „Der Wald ist unser Schatz“, so Leidl. Er sei CO2-Speicher und Holzlieferant gleichermaßen.
Mobilfunk, Innenstadterneuerung, Barrierefreiheit: Die Liste der Aufgaben, die auf den künftigen Dietfurter Bürgermeister zukommen und die in den gut 90 Minuten angeschnitten wurden, ließen sich endlos fortsetzen. Wer die WählBar versäumt hat, kann sie nachschauen: Die Kolpingfamilie war mit der Videokamera dabei, der Film soll demnächst auf ihre Homepage gestellt werden.